Roses Fairtrade au Kenya

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Rosen aus Afrika statt Waffen für Afrika

Rosen aus Afrika statt Waffen für Afrika

Article de Jean-Louis Zeien, président de Fairtrade Lëtzebuerg, en langue originale

EU-weit kommt mindestens jede dritte verkaufte Rose aus… Kenia. Dabei waren auch rund 550.000 Rosenstiele hierzulande aus fairem Handel. Safari, Strand, Teeblätter und Rosen sind die wichtigsten Devisenbringer Kenias. Trotzdem lebt in der ehemaligen britischen Kolonie die Hälfte der Bevölkerung immer noch unter der Armutsgrenze. Der faire Rosenhandel in Luxemburg trägt zu einer Entwicklung vor Ort bei.

Der ehemalige Außen- und Umweltminister Dr. Magana Mungai*  ist 1994 aus der Politik Kenias ausgeschieden. „Ich wollte etwas Konkretes für Mensch und Umwelt machen“, sprach er und wurde… Rosenzüchter. Statt Reden folgten Taten. Etwa eine Autostunde von Nairobi entfernt hat er eine 18 Hektar große Rosenplantage aufgebaut, in der über 20  verschiedene Rosensorten heranwachsen. Die „Magana Flowers“ Farm ist zudem Fairtrade-zertifiziert.

350 Angestellte arbeiten auf der Rosenfarm, davon rund 60 % Frauen. Sara ist eine der Rosenpflückerinnen, die auch Mitglied des Arbeiterkomitees zur Verwaltung der Fairtrade Prämien ist. Voller Stolz zeigt sie die Wasserleitung die zu den rund 400 Familienhäusern führt die seit 2010 einen Wasseranschluss bekommen haben. Oben auf dem Hügel „thront“ ein Wasserturm, der mit den Wasserleitungen integral von der Fairtrade Prämie finanziert wurde. „Vorher musste ich zwei Kilometer weit das Wasser in Plastikkanister anschleppen. Heute drehe ich den Wasserhahn auf“, so Sara voller Stolz.

Rosen aus Afrika statt Waffen für Afrika

Ihren Arbeitsplatz erreicht die Blumenpflückerin in einer Dreiviertelstunde Gehweg. Morgens um halb acht fängt die Pflückarbeit Saras in den Gewächshäusern der Maganafarm an und inklusive Mittagspause geht es dann bis halb fünf. In dieser Zeit pflückt und schneidet sie Rosen, die in meterlangen Reihen heranwachsen. Diese kommen gleich rein ins Wasser und dann geht es ab in die Kühlkammer. Nachdem eine Maschine die Blätter und Dornen im unteren Stängelbereich abgezogen hat, sortieren Saras Kolleginnen die Blumen nach Größen und binden sie zu Bündel mit dem obligaten Päckchen Frischehaltemittel zusammen.  Rein in die Kartons, nachmittags geht es per gekühltem Lastwagen zum Flughafen nahe Nairobi um dann in Rekordzeit 5 Tage später bei uns im heimischen Supermarkt, beim Floristen im Zehnerbund angeboten zu werden.

„Grüne“ Rosen?

Natürlich verbraucht dieser 6000 kilometerlange Weg zwischen Ostafrika und Europa Energie und verursacht auch CO2 Ausstoß. Damit ist er nicht unproblematisch. Wer aber jetzt denkt, dies wäre ein ökologisches Unding angesichts der europäischen Blumenproduktion, der wurde vor einigen Jahren eines besseren belehrt. Die englische Cranfield Universität konstatierte, dass die Klima-Bilanz der kenianischen Rosen gut sei, sogar rund 6x besser. Bei 6000 Kilogramm Kohlenstoffdioxid liegt der CO2 Ausstoß eines Bündels kenianischer Rosen im Gegensatz zu den 35.000 Kilogramm, die für die gleiche Menge in den Niederlanden anfallen. Sonne und Licht stehen eben „gratis“ in Kenia zur Verfügung, energieintensive Beheizung und Beleuchtung – besonders in den kalten Monaten - wie sie in Europa unerlässlich sind, entfallen im sonnigen Kenia gänzlich.

Rosen aus Afrika statt Waffen für Afrika

Aber auch ansonsten werden an die Umweltverträglichkeit der Produktion hohe Anforderungen gestellt, besonders beim fairen Handel. Auf der Magana Flowers Farm gehören Regenwasserreservoirs, Abfallmanagement sowie „innovative“ Abfallverwertung einfach dazu. Der Grünschnittabfall wird kompostiert und als Humus wiederverwertet, das dabei verwendete Wasser wird  wieder aufgefangen und mit Nährstoffen angereichert wieder in der Rosenbewässerung eingesetzt. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es aber hier nicht. In den Auflagen von Fairtrade steht der Schutz der Sprüher an erster Stelle. Wenn gespritzt wird, dann nur mit Schutzkleidung. Fazit des Magazins Ökotest das 2011 im Handel 22 verschiedene Sträuße auf Pestizide untersuchte: Drei von vier Sträußen, die in der Bewertung am besten abschnitten, stammten von Fairtrade zertifizierten Blumenfarmen. Anstatt keine Blumen aus Afrika zu kaufen, so Ökotest, käme es darauf an sich für „bessere“ Blumen mit dem Fairtrade Siegel zu entscheiden. 

Faire Rosen aus der Plantage

Ökologie und Soziales sind zwei der Pfeiler des fairen Handels die Hand in Hand gehen müssen. Davon weiß Simon, der jetzt als Sprüher seit drei Jahren auf der Fairtrade zertifizierten Panda Flower Farm arbeitet auf der pro Jahr 60 Mio. Rosen angebaut werden: „Auf der Plantage wo ich vorher gearbeitet habe, mussten wir täglich 12 Stunden und noch mehr arbeiten. Die Überstunden die wir geleistet haben, blieben immer unbezahlt. Jetzt arbeite ich 8 Stunden und wenn ich Überstunden mache, bekomme ich sie bezahlt.“ Auch Monica, eine der rund 1000 Mitarbeiter von „Panda“ die im Arbeitervertreterkomitee sitzt, sieht die Vorteile: „ Seit wir 2003 von Fairtrade zertifiziert worden sind,  haben wir bezahlten Mutterschutzurlaub. Für uns Frauen ist das unglaublich wichtig.“

Der faire Handel hat seinen Weg in die Rosenproduktion gefunden: Dabei fängt die  Reise der Rosen auf Magana Flowers ähnlich wie bei vielen Kaffeebohnen mit dem Eselkarren an. Das ist aber dann auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Anders als bei Kaffee oder Kakao wo ausschließlich mit Bauerngenossenschaften gearbeitet wird, stammen Rosen als erstes Fairtrade-Produkt ausschließlich von Plantagen. Die Fairtrade-Standards legen daher besonderen Wert auf die Arbeitsbedingungen, den Gesundheitsschutz, die ökologischen Bedingungen sowie die Stärkung der Position von Arbeiterinnen und Arbeitern durch Weiterbildung und Organisation. Deshalb sind die „JBs“ (Joint bodies), dh. Arbeitervertreterkomitees von Fairtrade, in denen Sara, Simon und Monica mitarbeiten so wichtig. Egal ob es um Stipendien für die Studien der Kinder, Computer- und Nähkurse mit entsprechender Ausstattung oder um den Bau von Wassertürmen, Wasserleitungen, Maismühlen oder Trinkwasserreinigungsanlagen geht,  die Arbeitervertreter und die Mitarbeiter des Managements sorgen in diesen „JBs“ dafür dass die Fairtrade Prämien dort ankommen, wo sie hingehören. Die 10 Prozent des Exportpreises der Rosen, die vom Importeur als Fairtrade Prämie gezahlt werden, sind zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und deren Familien bestimmt.  In einigen Fällen haben die „JBs“ von der Panda Farm bzw. Magana Farm sogar die Fairtrade Prämiengelder in Projekte investiert, von denen eine breitere lokale Bevölkerung profitiert: Investition in Schuleinrichtungen und  in die Gesundheitsversorgung im örtlichen Krankenhaus.

Das hat auch die größte Supermarktkette Cactus hierzulande erkannt und die Reise zu den Blumenproduzenten in Kenia auf sich genommen. „Wir sind vom Fairtrade Konzept überzeugt“, so Théo Beaume, der Verantwortliche der Cactus-Kette für den Non Food-Bereich.“ In Kenia konnten wir uns vor Ort über die positiven Auswirkungen des fairen Handels auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Rosenpflückerinnen und Plantagenarbeiter  informieren.“ Viele Verbraucher gehen hierzulande diesen Weg in ihrem Kaufverhalten mit. Ansonsten wäre ein solcher Erfolg mit rund 550.000 Rosen für 2012 nicht zu erreichen gewesen.

In Handelsfragen steckt natürlich immer auch eine politische Dimension. Das weiß auch Dr. Magana Mungai von der Magana Flowers Farm. Als bei der zweiten UN-Konferenz zur Regulierung des internationalen Waffenhandels jetzt wieder Fragen zu Waffenembargos anstanden, sagt er klipp und klar: „Afrika soll keine Waffen vom Westen verkauft bekommen. Ich habe gesehen was das in unseren Nachbarländern Somalia, Sudan und Uganda angerichtet hat. Es ist besser für die Welt wenn Afrika euch Blumen verkauft.“

Im März 2013 fanden in Kenia Wahlen statt – weitgehend friedlich. Der darauffolgende Streit um das Abstimmungsergebnis zwischen den beiden Rivalen um die Präsidentschaft wurde von Richtern und nicht mehr von bewaffneten Gruppen gelöst. Auch hier wird friedliches Zusammeneben auf der Magana Flower Farm im Kleinen vorgelebt. Tagtäglich arbeiten Vertreter der 42 Ethnien hier zusammen: Qualifikationen gehen vor Ethnienzugehörigkeit.

In seinem Abschlussplädoyer liegt der mittlerweile 90 jährige Dr. Magana Mungai nahe bei dem, was viele Entwicklungsexperten denken: „Afrika braucht keine Hilfe, Afrika braucht Handel.“ Festverträge und existenzsichernde Preise statt Börsenspekulation und Ausbeutung sollten dabei nicht nur im fairen (Rosen-)Handel eine Selbstverständlichkeit sein.

 

* Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2013. Mit großem Bedauern musste die Fairtrade Bewegung im August 2014 Abschied von Dr Magana Njoroge Mungai nehmen. Sein Einsatz für den Fairen Handel und sein politisches Engagement machen diesen Fairtrade Botschafter unvergessen.