Doña Fatima Ismael Espinoza

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Doña Fatima Ismael Espinoza – Porträt der Direktorin einer Union von Kaffeekooperativen

Doña Fatima Ismael Espinoza – Porträt der Direktorin einer Union von Kaffeekooperativen

„Doña Fatima hätten Sie mal einen Augenblick, bitte?” „Worum geht es denn? Ich kann dir 10 Minuten geben.” So geht es fast immer, wenn man Doña Fatima etwas fragt. Dies geschieht nicht aus Unfreundlichkeit, sondern aus Zeitmangel. Heute wurde ein Lastwagen aufgebrochen und Kaffee gestohlen, also muss sie gleich mit der Versicherung verhandeln. Den Rest des Tages wird sie sich mit Mitarbeitern, Repräsentanten des Vorstandes und mit externen Institutionen besprechen. Dazwischen bleibt dann noch ein wenig Zeit, um auf ihre E-Mails zu antworten. Eine 40-Stunden-Woche ist bei ihr eher selten, gewöhnlich arbeitet sie 50 bis 60 Stunden die Woche.

Doña Fatima wurde 1960 geboren und ist Agraringenieurin. Diesen Beruf hat sie dank der Alphabetisierungskampagne in den 80er-Jahren erlernt. Wegen der schweren sozialen und ökonomischen Situation der Produzenten in Nicaragua wollte sie etwas studieren, womit sie den ärmsten Leuten Nicaraguas, den Bauern, helfen könnte. Und so entschied sich Doña Fatima für ein Agrarstudium. Dies war sicherlich eine Herausforderung, da zu dieser Zeit fast ausschließlich Männer, nämlich 97%, in diesem Bereich arbeiteten. Seit 29 Jahren ist sie nun schon für Organisationen tätig, die mit Produzenten in Nicaragua zusammenarbeiten. Ihre Aufgabe bestand immer darin, an der Verbesserung der Produktion, dem Naturschutz, der Gleichberechtigung und der Bildung zu arbeiten. In den letzten Jahren hat sie sich auch darauf konzentriert, die Kommerzialisierung des Kaffees von kleinen Produzenten voranzutreiben. Denn letztere haben die größten ökonomischen Schwierigkeiten.

Seit 1999 ist Doña Fatima Direktorin der UCA SOPPEXCCA, einer Union von Kaffeekooperativen kleiner Produzenten. Insgesamt besteht die Union aus 16 Basiskooperativen und ungefähr 550 Produzenten. Auch hier besteht Doña Fatimas Arbeit darin, die ökonomischen Aktivitäten zu leiten, die Produkte zu vermarkten, für Gleichberechtigung zu kämpfen und die soziale und ökologische Situation der Produzenten zu verbessern. Des Weiteren arbeitet sie mit Methoden, die es den Menschen erlauben sollen, ihr eigenes Leben und ihre eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen. Daher ist es nur verständlich, dass Doña Fatimas Arbeitspensum sehr hoch ist.

SOPPEXCCA arbeitet auch mit internationalen Organisationen zusammen. Eine davon ist Fairtrade. Der Großteil des Kaffees, den die Bauern produzieren, wird unter fairen Bedingungen hergestellt. Auch dies trägt  zu einer Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der kleinen Produzenten bei.

Zum fairen Handel äußert sich Doña Fatima wie folgt: „Die Beziehungen zum fairen Handel haben eine große Veränderung auf der Organisationsebene der Kooperativen und der kleinen Produzenten bewirkt. Viel mehr als nur einen fairen Preis wurde damit auch eine Arbeitsdynamik geschaffen, die positive Werte – sowohl zwischenmenschlich als auch im Zusammenleben mit der Natur –vermittelt. Der faire Handel führt dazu, dass tausende von armen Produzenten ihre Lebenssituation verbessern können.”

Schon in den 80er-Jahren hat die schreckliche Armut der Bauern Doña Fatima schockiert. Fakt ist, dass zu diesem Zeitpunkt die Produzenten überhaupt nicht organisiert waren. Für Doña Fatima war der Zusammenschluss der Organisationen eine unumgängliche Maßnahme, um deren Situation zu verbessern. Auf dem Land fiel ihr auch auf, dass das Bildungsniveau in den meisten Gegenden erschreckend niedrig ist. Daher betrachtet sie die Jugendbildung als vorrangig und es ist ihr wichtig, die Jugendlichen mit in die Arbeit von SOPPEXCCA einzubinden: „Wir beziehen die Jugendlichen in die Organisation mit ein, damit sie so früh wie möglich Verantwortung lernen und auch übernehmen. Wir sorgen dafür, dass das Wissen über die nachhaltige Landwirtschaft weitergegeben wird. Wir arbeiten mit Jungen und Mädchen zusammen, um ihr soziales Bewusstsein und ihre Bildung zu verbessern. Des Weiteren erreichen wir, dass sie besser auf eine effizientere Produktion vorbereitet sind und so dazu beitragen, dass ihre Gemeinden sozial und wirtschaftlich stabiler werden. Die Investition in die Organisation, in die Integration und in die Bildung der Jugendlichen ist für uns vorrangig.

Wenn es um ihr Privatleben geht, ist Doña Fatima ein bisschen zurückhaltender: „Nach einer sehr schweren Jugend im Krieg bin ich hauptsächlich froh überlebt zu haben, jetzt schon über 50 Jahre alt zu sein und 2 Kinder und ein Enkelkind zu haben. Zu sehen, was wir gemeinsam mit SOPPEXCCA aufgebaut haben, dass wir unsere eigenen Kaffeeverarbeitungsmaschinen, unsere eigenen Büros und den Zugang zum fairen Handel haben, macht mich sehr glücklich.

Nachdem Doña Fatima 2006 auf Einladung der luxemburgischen Kooperation hierzulande das „Kaffee- Forum“ besucht hat, ging 2013 und 2014 die Reise den umgekehrten Weg: Mit „Meet the Makers“ sind luxemburgische Alternativtouristen bei ihr und bei den Produzenten zu Gast gewesen. So konnten die Luxemburger einen Teil von Doña Fatimas Lebenswerk in der Kooperative SOPPEXCCA miterleben.